Helmstedter Universitätstage

Einladung

Foto: Joachim Liebe

 

Mit den Helmstedter Universitätstagen knüpft die Stadt Helmstedt  an ihre fast 250jährige Tradition als Universitätsstadt an und erinnert zugleich an ihre jüngste Geschichte als Grenzstadt an der Nahtstelle zwischen Ost und West von 1945 bis 1989/90.

Die Helmstedter Universitätstage haben die Aufgabe, mit den Themen von Ausgrenzung und Integration zusammenhängende Fragen der Zeit und der Zeitgeschichte in einem akademischen Rahmen zu diskutieren und einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Sie bilden ein Tradition und Moderne verbindendes Forum der historischen Selbstvergewisserung, auf dem zeitgeschichtliche und Gegenwartsfragen der Spaltung und der Einigung, der Errichtung und des Zerfalls von Grenzen im Mittelpunkt stehen. Und sie wollen auf diese Weise selbst dazu beitragen, Grenzen zu überwinden oder durchlässiger machen: die Grenzen zwischen Ost und West, die Grenzen zwischen politischem Zentrum und politischer Peripherie, die Grenzen zwischen Fachwissenschaft und Öffentlichkeit.

Revolutionen durchlaufen eigenartige Erinnerungskurven. Solange sie vor der Tür stehen, mobilisieren sie die Angst der Herrschenden oder werden von ihnen ignoriert, bis es mit deren Macht vorbei ist: „Rien“ – „Nichts“ trug Ludwig der XVI. am 14. Juli 1989 in sein Tagebuch ein (und meinte damit allerdings nur sein fehlendes Jagdglück an diesem Tag); „Ist es so, dass morgen der 17. Juni ausbricht?“, fragte im August 1989 Erich Mielke besorgt seine Stasi-Offiziere. Im Nachhinein kommt vieles, aber nicht alles darauf an, ob die Revolution erfolgreich war. Siegreiche Revolutionen können zum staatlichen Mythos werden – wie die Französische Revolution von 1789, Fidel Castros Machteroberung in Kuba 1959 und vielleicht auch die friedliche Revolution von 1989 in Ostdeutschland, aber sie können sich auch zum erbittert umkämpften Streitfall entwickeln wie die Novemberrevolution 1918 – oder zum politischen und gesellschaftlichen Tabu wie die chinesische Kulturrevolution. Auf andere Art unterschiedliche Nachwirkungen zeitigen fehl- und niedergeschlagene Revolutionen: Der Juniaufstand 1953 in der DDR wurde in der DDR aus dem Gedächtnis getilgt und in der Bundesrepublik zum bald verblassenden Fanal der antitotalitären Anklage; der Versuch, Lateinamerika von Bolivien aus zu revolutionieren, hingegen schuf einen bis heute anziehungsmächtigen Sehnsuchtsort, und nicht anders ergeht es in unseren Jahren der gescheiterten „Arabellion“ von 2011.

Die einzelnen Vorträge der diesjährigen Helmstedter Universitätstage beleuchten die verschiedenen Bilder, die Revolutionen des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts im Gedächtnis der Mit- und Nachwelt hinterließen - und sie fragen immer auch danach, wie Revolution und Demokratie aufeinander bezogen sind.

Wie immer verspricht die Thematik der Helmstedter Universitätstage anregende Vorträge und lebhafte Debatten. Ich möchte Sie im Namen der Stadt Helmstedt herzlich einladen, am 21. und 22. September ins Juleum zu kommen, um die Vortragsveranstaltungen zu besuchen, mit den Referenten zu diskutieren und am abwechslungsreichen Rahmenprogramm vom 20. – 23. September teilzunehmen.

 

 

Prof. Dr. Martin Sabrow